Gymnastik, Sport und Tanz

Gymnastik, Sport und Tanz  / Seite 3

Die Konzentration auf nur eine Bewegungskurve wirkt im Sinne einer Ökonomie der Kräfte; richte ich meine ungeteilte Aufmerksamkeit auf einen Bewegungszweck oder ein Bewegungsziel, so arbeitet bei Wiederholung meine Muskulatur immer mehr, immer ausschließlicher im Sinne dieses Zwecks oder dieses Ziels, alles Hemmende wird immer mehr ausgeschaltet. Sehr deutlich kommt das Prinzip der Kraftökonomie in spezielleren Gesetzmäßigkeiten zum Ausdruck, etwa in der Gegenbewegung oder in der Bewegungsfolge, die beide den Eindruck der Konzentration und des einheitlichen Wollens steigern; die Gegenbewegung besteht beispielsweise darin, daß, wenn das rechte Bein sich nach vorn bewegt, der rechte Arm eine entgegengesetzte Bewegung macht, sie ist sehr augenscheinlich bei jedem gymnastisch richtigen Lauf (die Sportbilder geben viele Beispiele). Das Gesetz der Folge ist schwieriger zu veranschaulichen: die kräftigste Muskulatur beginnt mit dem Bewegungsablauf, also die Rumpfmuskulatur oder die Muskeln, welche die zur Bewegung nötigen Glieder mit dem Rumpf verbinden, diese sollen die Hauptarbeit leisten; beim Hochheben des Armes ist somit die Reihenfolge beim Einsetzen in die Bewegung, Oberarm, Unterarm, Hand — beim Gang Oberschenkel, Unterschenkel, Fuß; die Nichtbeachtung dieser Gesetzlichkeit läßt im Gang vieler, der meisten Frauen Straffheit, Anmut, Einheit, Zielsicherheit missen; sie benützen die Oberschenkel zu wenig: daher Schwanken im ganzen Körper, Mangel an Richtung, Kraftvergeudung, allzu rasches Ermüden, Eine Hauptaufgabe der Gymnastik ist die Schulung des Körpers im Sinne der Bewegungsgesetzlichkeit, überhaupt im Sinne der Kraftökonomie für Leben, Sport und Tanz und dient zum Entschlacken. Hier liegt eine rein praktische Forderung körperlich geistiger Konzentration, mag sie immerhin gewisse ästhetische Begleiterscheinungen haben.
Sammlung, das Aufgehen in einer Richtung, die Einhaltung der Bewegungsgesetzlichkeit sind Vorstufe der rhythmischen Bewegung.
In Dr. Bodes Übungen und denen der Schule für Körperbildung — Loheland — ist die zum Rhythmus strebende Kraft nicht zu verkennen; bei vielen Mensendieckübungen ist sie nur dem geübten Blick ersichtlich. Die Konzentration wird noch augenscheinlicher in den sportlichen Übungen, weil ein sichtbares Ziel vorhanden ist: Der ganze Körper folgt dem Bogen, der in einer Kurve gehoben wird, die Zielbewegung wird gleichsam im ganzen Körper mitempfunden. Der Wille zum Ziel wirkt noch einheitlicher, wenn das Temperament sichtlich mitschwingt. Die Kraft des Temperaments, der spontane Trieb, das Ziel zu treffen, erleichtert die stetige Einstellung auf das Ziel, hält alles Störende fern vom Blickfeld des Bewußtseins und macht für den Betrachter die den Körper beherrschende Einheit um so eindrucksvoller. Der geschmeidige Körper scheint ganz gesammelt, beherrschte Schnellkraft, die sich dem Speer mitteilen will. Der Antrieb gleitet gleichsam geschmeidig von der Fußspitze durch den Körper hinauf bis in den hochgestreckten Arm. Man könnte einwenden: wir widersprächen uns, — forderten einmal, man solle die Bewegung, den Fluß, einen Schwung im ganzen Körper fühlen und dann, nur die für die jeweilige Aufgabe nötigen Muskeln sollten in Aktion treten. Hier liegt kein Widerspruch: „Nur die nötigen Muskeln sollen arbeiten", ist relativ zu nehmen; bei jeder Bewegung wirken natürlich alle Muskeln des Körpers mehr oder minder mit Aber gerade auf dieses „Mehr" oder „Minder" kommt es an, auf das „nicht zu viel" und „nicht zu wenig"; in dem immer leichter, ebbender Schwingen der mittelbarer zu einer bestimmten Bewegung nötigen Muskulatur, — ist der bewegungsgesetzlich Geschulte zu erkennen. Sehr klar ist solche Ökonomie der Kraft bei unserem Tennisspieler. Die stärkste Muskelspannung ist in der rechten Körperhälfte, die lebhafteste Bewegung im rechten Arm, die linke Seite ist nur leicht gespannt, der linke Arm fast lässig, fast relaxiert, und doch fühlen wir im linken Bein und Arm den Schwung von rechts, daher der Gesamteindruck der Eleganz, der sehr einheitlich zum Ausdruck kommt