Gymnastik, Sport und Tanz / Seite 8
Überwindung bedeutet nicht Abtötung des Fleisches, sondern Erfüllung — völlig überwunden wird das, was ich durchdringe, beherrsche bis ins Letzte, beherrsche wie ein Werkzeug durch Übung und Kenntnis seiner immanenten Gesetzlichkeit, durchleuchte. Der Körper als lebendige Form wird immer mehr dem Geist-Seelischen unterworfen, wir müssen den Körper Glied für Glied in unsere Gewalt bekommen; ihn als Ausdrucksmittel des Geist-Seelischen üben, ihn bewußt befreien, ihn in immer vollendeterer Durchformung gestalten, immer stärker durchfühlen in seinen Bewegungen. In steter Vervollkommnung wird der Körper nachgeschaffen im Bewußtsein — bis zur Aufhebung in einem Höheren. In der seelisch-geistigen Beherrschung des Körpers (nicht in automatischer Handfertigkeit) — haben wir ein doppeltes Gefühl der Kraft, des kraftvollen Werkzeugs und des kraftvollen Geistes, fühlen wir am elementarsten die Freudigkeit der Freiheit, unmittelbar die Auswirkung eines Höheren in der Oberwindung des Körpers.
Die seelisch-geistige Wesenheit sucht sich gleichsam einen Körper aus als ein Ausdrucksmittel ihres Selbst, als ein Mittel zur Selbsterkenntnis, Selbstoffenbarung, Selbstentfaltung. — Im Selbst schlummernde Kräfte entfalten, entwickeln sich in der Bearbeitung, Durchdringung der körperlichen Stofflichkeit, in der Lösung und Lockerung dessen, was hemmt Es ist eine Erlösung des Körpers und eine erste Stufe der Selbstbefreiung des Seelisch-Geistigen, der Weg zu höheren Einheiten.
Das Erlebnis von Einheit und Freiheit gleichsam in seiner primitivsten geistig körperlichen Urform, wie es sich als ein gemeinsamer Zug in Gymnastik, Sport, Tanz ausprägt, — hat in verschiedener Hinsicht pädagogische Bedeutung: Weil in körperlich bildender Kunst und Disziplin das Körperliche vom Seelisch-Geistigen durchleuchtet wird, kann . dem Ausübenden bis auf den Muskel die Stelle gezeigt werden, wo seine Fähigkeit versagt, sich von allem Nebensächlichen, allem Hemmenden zu befreien — eine Erziehung zur Sachlichkeit in Wort und Tat.
Ist körperlich geistige oder körperlich seelische Einheit erlangt, wiedererlangt, wozu Gymnastik, Sport, Tanz einen ersten Schritt bedeuten, so werden Ideen, Phantasien, Begriffe, Bilder lebensvoll, die körperlichen Rhythmen wirken auch wieder zurück auf das Geist-Seelische; kommt unser Denken in Fluß, so fassen die Rhythmen von Herz und Atmung unsere Gedanken, wir denken mit dem Blut und Temperament, die Ideen sind nicht mehr blasse Schemen, die Gedanken wirken im Körpergefühl, der ganze Mensch denkt und alle Kräfte strömen durch das seelisch-geistige Wesen. Wirkt der Rhythmus hemmungslos als körperliche geist-seelische Kraft, so können nicht blutleere Hirngespinste entstehen, wie sie der abstrakte Geist ausklügelt, die keine wirkende Kraft durchströmt.
Die seelisch-geistige Wesenheit sucht sich gleichsam einen Körper aus als ein Ausdrucksmittel ihres Selbst, als ein Mittel zur Selbsterkenntnis, Selbstoffenbarung, Selbstentfaltung. — Im Selbst schlummernde Kräfte entfalten, entwickeln sich in der Bearbeitung, Durchdringung der körperlichen Stofflichkeit, in der Lösung und Lockerung dessen, was hemmt Es ist eine Erlösung des Körpers und eine erste Stufe der Selbstbefreiung des Seelisch-Geistigen, der Weg zu höheren Einheiten.
Das Erlebnis von Einheit und Freiheit gleichsam in seiner primitivsten geistig körperlichen Urform, wie es sich als ein gemeinsamer Zug in Gymnastik, Sport, Tanz ausprägt, — hat in verschiedener Hinsicht pädagogische Bedeutung: Weil in körperlich bildender Kunst und Disziplin das Körperliche vom Seelisch-Geistigen durchleuchtet wird, kann . dem Ausübenden bis auf den Muskel die Stelle gezeigt werden, wo seine Fähigkeit versagt, sich von allem Nebensächlichen, allem Hemmenden zu befreien — eine Erziehung zur Sachlichkeit in Wort und Tat.
Ist körperlich geistige oder körperlich seelische Einheit erlangt, wiedererlangt, wozu Gymnastik, Sport, Tanz einen ersten Schritt bedeuten, so werden Ideen, Phantasien, Begriffe, Bilder lebensvoll, die körperlichen Rhythmen wirken auch wieder zurück auf das Geist-Seelische; kommt unser Denken in Fluß, so fassen die Rhythmen von Herz und Atmung unsere Gedanken, wir denken mit dem Blut und Temperament, die Ideen sind nicht mehr blasse Schemen, die Gedanken wirken im Körpergefühl, der ganze Mensch denkt und alle Kräfte strömen durch das seelisch-geistige Wesen. Wirkt der Rhythmus hemmungslos als körperliche geist-seelische Kraft, so können nicht blutleere Hirngespinste entstehen, wie sie der abstrakte Geist ausklügelt, die keine wirkende Kraft durchströmt.
Anmerkung
Um möglichen Mißverständnissen vorzubeugen, sei noch ausdrücklich bemerkt: Unsere Betrachtung geht nicht darauf aus, ästhetische Normen für die körperbildenden Disziplinen aufzustellen. Allerdings müßten eine Reihe unserer Thesen Grundlage einer solchen Ästhetik sein, weil diese Thesen die körperlich geistige Dynamik erfassen, weil sie auf rhythmisch gymnastisch erlebter Bewegung und Erregung fussen, nicht auf Abstraktionen und Theorien; sie ergeben sich unmittelbar aus rhythmisch durchlebten Bewegungen, dem rhythmisch-gymnastisch Geschulten sind sie unmittelbar gewiß. Um so wichtiger wäre es, diese Grundsätze in einer Ästhetik der Bewegung zu berücksichtigen, weil die jüngste Kunst überhaupt keineswegs bloß der freie Tanz, bewegte Form verwirklichen will. Man will nicht mehr starre Form, gegebene Form, der sich der innere Gehalt irgendwie fügen muß, sondern Ausdruck — unmittelbarsten Ausdruck des Geist- Seelischen; Kennzeichen des Geist- Seelischen ist rastlose Fortbildung; die jüngste Kunst will Form, die wird und wird und wird: lebendige Form. Im Hinblick auf Tanz und Bewegungsgesetzlichkeit sei hervorgehoben: Beim Tanz sind in nicht seltenen Fällen Verstöße gegen die Bewegungsgesetzmäßigkeiten notwendig, d. h. sie sind psychologisch motiviert, das betreffende Gefühl — etwa eine Extase, seelische Überspannung, Groteske — kann nur durch eine körperliche Verkrampfung, Übertreibung zum Ausdruck kommen, solche scheinbaren Fehler müssen aber „gekonnt" sein, ihre Ursache darf nicht in körperlichem Ungeschick, Unvermögen liegen.
Hier ist übrigens auch der Punkt, wo die meisten herkömmlichen Kritiker, die den Tanz im Grunde genommen doch nur von herkömmlichen formal ästhetischen Gesichtspunkten aus betrachten, viel weniger sehen, auf was es ankommt, wie viele Laien, Sportsleute, Gymnastiker, Turner und Tänzer; die meisten Tanzbilder und Photos, die diese formal ästhetisch sehr begabten Menschen in ihren Aufsätzen und Büchern vorführen oder zitieren, sind nur zu oft unlebendig anmutige Linien, sinnlicher Reiz, Faltenwurf reizt sie, eine Gewandstudie besticht ihr historisches oder formal künstlerisches Interesse, daher das häufig Varietehafte ihrer Bilder, die lebende Bildwirkung; sie übersehen so oft den Mangel an körperlicher Schulung, der im Rumpf, in Hand, in Bein, Bewegung und Erregung stocken läßt: — Rumpf oder Glied beugt sich nicht, schnellt nicht mit der Empfindung, die den ganzen übrigen Körper bewegt, erscheint steif, starr, undurchseelt im Vergleich mit dem Minenspiel des Gesichts, der schnellenden Bewegtheit oder Gebärde des übrigen Körpers. Die Aufgabe nur Bilder wiederzugeben, bei denen die Form seelisch erfüllt ist, ist allerdings auch durch die Technik des Photographierens erschwert. Von vornherein wirken 99% der Aufnahmen gestellt, — wir nehmen den Prozentsatz sehr nieder — wie „lebende Bilder", als „Pose", weil sie nicht im Moment genommen wurden, sondern der Durchgangsmoment einer Bewegung durch die Zeit des Exponierens zum Erstarren gebracht wurde; das Gesicht ist dann Maske, der bewegungsgesetzliche Ablauf ist suspendiert, nicht nur die Muskeln, welche die Bewegung hervorrufen, welche für sie nötig sind, treten in Tätigkeit, — nicht nur beispielsweise die Beuger, sondern auch die Strecker — ; daher der Eindruck, daß der Ausübende die eigene Bewegung hemmt, aufhält Zeitaufnähmen bei Tanzbildern sind nur möglich, wenn statt eines scheinbaren Durchgangsmoments einer Bewegung eine wirkliche Dauerstellung aufgenommen wird, oder wenn durch eine außerordentliche Kunst der Beleuchtung und Retousche, wie wir sie bei Holdt linden, die Starre vom Lichtbildner wieder gelöst wird. Unser Betonen der Bewegungsgesetzlichkeit ist keineswegs gleichzusetzen mit Anerkennung nur eines Ideals etwa des Klassischen. Innerhalb der Bewegungsgesetzlichkeit ist das Ideal der klassischen Kunst nur eines unter mehreren und über der Bewegungsgesetzlichkeit steht die Forderung des seelischen Ausdrucks im Tanz, jede Kunstform im Tanz gilt, die echter, völliger Ausdruck ist von etwas Geist-Seelischem.
Hier ist übrigens auch der Punkt, wo die meisten herkömmlichen Kritiker, die den Tanz im Grunde genommen doch nur von herkömmlichen formal ästhetischen Gesichtspunkten aus betrachten, viel weniger sehen, auf was es ankommt, wie viele Laien, Sportsleute, Gymnastiker, Turner und Tänzer; die meisten Tanzbilder und Photos, die diese formal ästhetisch sehr begabten Menschen in ihren Aufsätzen und Büchern vorführen oder zitieren, sind nur zu oft unlebendig anmutige Linien, sinnlicher Reiz, Faltenwurf reizt sie, eine Gewandstudie besticht ihr historisches oder formal künstlerisches Interesse, daher das häufig Varietehafte ihrer Bilder, die lebende Bildwirkung; sie übersehen so oft den Mangel an körperlicher Schulung, der im Rumpf, in Hand, in Bein, Bewegung und Erregung stocken läßt: — Rumpf oder Glied beugt sich nicht, schnellt nicht mit der Empfindung, die den ganzen übrigen Körper bewegt, erscheint steif, starr, undurchseelt im Vergleich mit dem Minenspiel des Gesichts, der schnellenden Bewegtheit oder Gebärde des übrigen Körpers. Die Aufgabe nur Bilder wiederzugeben, bei denen die Form seelisch erfüllt ist, ist allerdings auch durch die Technik des Photographierens erschwert. Von vornherein wirken 99% der Aufnahmen gestellt, — wir nehmen den Prozentsatz sehr nieder — wie „lebende Bilder", als „Pose", weil sie nicht im Moment genommen wurden, sondern der Durchgangsmoment einer Bewegung durch die Zeit des Exponierens zum Erstarren gebracht wurde; das Gesicht ist dann Maske, der bewegungsgesetzliche Ablauf ist suspendiert, nicht nur die Muskeln, welche die Bewegung hervorrufen, welche für sie nötig sind, treten in Tätigkeit, — nicht nur beispielsweise die Beuger, sondern auch die Strecker — ; daher der Eindruck, daß der Ausübende die eigene Bewegung hemmt, aufhält Zeitaufnähmen bei Tanzbildern sind nur möglich, wenn statt eines scheinbaren Durchgangsmoments einer Bewegung eine wirkliche Dauerstellung aufgenommen wird, oder wenn durch eine außerordentliche Kunst der Beleuchtung und Retousche, wie wir sie bei Holdt linden, die Starre vom Lichtbildner wieder gelöst wird. Unser Betonen der Bewegungsgesetzlichkeit ist keineswegs gleichzusetzen mit Anerkennung nur eines Ideals etwa des Klassischen. Innerhalb der Bewegungsgesetzlichkeit ist das Ideal der klassischen Kunst nur eines unter mehreren und über der Bewegungsgesetzlichkeit steht die Forderung des seelischen Ausdrucks im Tanz, jede Kunstform im Tanz gilt, die echter, völliger Ausdruck ist von etwas Geist-Seelischem.